Uwe Weinzierl

„Pferdeverstand ist das, was Pferde davon abhält, auf künftiges Verhalten der Menschen zu wetten.“

Jahrgang 1958

2010 habe ich mich als selbständiger Horsemanship-Trainer in Norddeutschland niedergelassen. Die Ruhner Berge zwischen Hamburg und Berlin, wo ich mit meinem Team lebe und arbeite, sind mein privates und berufliches Paradies geworden. Durch Fernseh-, Messe- und Showauftritte bin ich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Seit dreißig Jahren sind Pferde mein Lebensinhalt. Das war nicht immer so… .

Uwe und Pferde? Fehlanzeige! Die sind an dem Arbeiterjungen aus dem kleinen Schwarzwalddorf spurlos vorübergegangen. Die 60er Jahre: Reitsport, Golf und Tennis, das war was für die Reichen, zu denen ich und meine Familie nicht gehörten. Wir spielten Fussball und Tischtennis. Als das Wirtschaftswunder kam und mit ihm die Freizeitreiterei der 70er Jahre, war ich mit Zivildienst, Taxifahren und der Revolution beschäftigt – keine Zeit für Pferde.

Als ich 1982 nach Berlin ging, wollte ich nur zwei Kleinigkeiten: Die Welt aus ihren kapitalistischen Angeln heben und berühmt werden wie Mick Jagger. Beides hat nur sehr marginal geklappt.

1989 – kurz vor der unabsehbaren Maueröffnung – verließ ich Berlin-Kreuzberg in Richtung Natur, um in aller Ruhe Musiktheaterstücke zu schreiben und mich von der Kabarettschauspielerei zu erholen. Das ging nicht lange gut, denn zum Glück rückten mir die Pferde auf den Leib.

33 Jahre hat es gedauert, bis mich „mother nature in its finest form“ – so bezeichnet Parelli die Pferde – erwischt hat. Dann aber heftig. Ich wollte nichts anderes mehr. Nochmal Parelli: „Look what’s normal and then do the opposite“. Das hat mir was gesagt, ich war schon immer gegen die herrschende Normalität.

Mit der Energie, mit der ich meine Kabarett- und Theaterstücke geschrieben hatte, stürzte ich mich jetzt aufs Natural Horsemanship und auf die Entwicklung des Pferdehofes ArhönA, der bald zu einem Treffpunkt der internationalen Horsemanshipszene wurde.

Nach 20 Jahren hatte ich genug davon, ein touristischer Pferdeunternehmer zu sein und wieder mal gab es einen radikalen Bruch in meinem Leben. Ich zog in den Norden und widmete mich wieder ganz den Pferden. Ich fand mein Paradies in Neu Drefahl und ein Glücksfall reihte sich an den andern. 2011 kürte mich die Cavallo zum Verladekönig, 2013 trat ich mit Lorenzo in der Equitana-Hoptop-Show auf und 2015 gab es eine einstündige Fernsehdoku über meine Arbeit.

Als „Rudi Dutschke der Pferdeszene“ lebe ich mit meinem Team im Wald – irgendwo zwischen Hamburg und Berlin – und verneige mich täglich dankbar und demütig vor den Göttern dafür, dass sie es so gut mit mir meinen.

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