Ich hab echt nen Böckmann!

Erlebnisbericht von der Equitana 2011

Bei der Ankunft am Tor haben wir gleich den „Feuerreiter“ Roland Heiß (er hat Veloz nach Deutschland gebracht) getroffen. Gutes Zeichen. Dann Tierarztkontrolle: Kein Problem, wir sind drin! Ich treffe die andern Mitbewerberinnen, alles Parelli-Leute, kollegiale Atmosphäre, ich fühle mich wohl! Ich versorge Veloz, schlendere über die Messe, ich treffe Freunde und Bekannte und bin erstaunlich entspannt. Am Abend treffe ich mich Freunden, um die Parelli-Show anzusehen. Da hab ich mir eine enttäuschende Vorgruppe ausgesucht! Ich hab den Großen Meister des Natural Horse-Man-Ship vor vielen Jahren gesehen und bewundert. Von der früheren Spritzigkeit ist leider gar nichts übriggeblieben. Zu meiner Überraschung schlafe ich gut und ruhig und erwache am nächsten Morgen um 6 Uhr.

Der große Tag ist da. Um 9 Uhr dürfen wir alle zum Schnuppern in die große Halle. Der Große Ring ist gar nicht groß, 20x 40 m, nur der Publikumsraum ist groß: Platz für 5000 Zuschauer, wie viele werden kommen? Bei Peter Pfister um 11 Uhr sind vielleicht 150 Leute da. Draußen dürfen wir noch mal kurz am Showhänger üben, meine Unterlegpodeste, die die Rampe waagerecht positionieren funktionieren und mein Pferd ist wunderbar! Um 12 Uhr gehe ich noch mal in die Halle: Birger Gieseke schickt grade seinen Paul in den fahrenden Hänger, die Halle ist jetzt halb voll. Dann versammeln wir uns alle am Abreitzelt, ich gehe ganz ruhig mit Veloz meine Runden, jetzt bloß kein Tempo mehr! Ich bin der Dritte von vier Kandidaten.

Dann ist die große Stunde da: Das Gespann fährt in den Großen Ring und wir führen unsere Pferde rein: Die Halle ist fast voll, 4500 Zuschauer, die Stimmung ist ausgelassen, wir spielen ein bisschen rum, dann verlassen alle bis auf die ersten Bewerber die Halle wieder. Jeder hat 5 Minuten, also habe ich noch mal 10 Minuten Wartezeit. Die verbringe ich im Abreitzelt, gelegentlich höre ich Applaus. Dann kommt eine Helferin mit Walkie-Talkie: „Kommen Sie mit, Sie sind gleich dran!“ Ich führe Veloz in die Mitte der Halle, nehme ihm das Halfter ab, gehe auf die Knie und mein Pferd kniet sich neben mich: tosender Applaus. Die Halle fängt an zu kochen, jede gelungene Aktion wird bejubelt- und alle gelingen. Einmal läuft Veloz weg, kommt aber sofort wieder auf mich zu galoppiert. Er hüpft in den Hänger, ich drehe ihn am Schweif, ziehe in zurück in den Hänger und dann das Kompliment auf der waagrechten Rampe: Riesenapplaus!

Ich springe mit ihm runter, gebe dem Fahrer das Signal zum Losfahren und schwinge mich auf Veloz, wir galoppieren hinter dem Hänger her und nach vorsichtigem Zögern springt Veloz im Trab rein: Die Halle tobt und ich weiß: ich habe gewonnen. Als ich raushüpfe, kommt der Gong, das heißt: noch eine Minute Zeit, wir tanzen ein wenig herum und zum Schluss ein Kompliment und ich berausche mich am Applaus von 4500 begeisterten Pferdeleuten. Nach der Vorführung der letzten Bewerberin werden wir alle reingeholt und die Abstimmung mit einem Dezibel- Messer, Applausometer genannt, folgt: Ich erreiche den höchsten Wert mit Abstand: 104 Dezibel! Wir haben tatsächlich gewonnen! Ich werfe Kusshände zu den Freunden im Publikum und nehme als letzter den Hauptpreis entgegen, und kann es immer noch nicht fassen: Ich hab echt nen Böckmann.