Heunot macht erfinderisch

Mitten im heißen Sommer bekam so mancher Pferdebesitzer kalte Füße, wenn er darüber nachdachte, wie und wo er genügend Winterfutter herbekommen sollte. Wir hoffen mal, dass Du inzwischen gut versorgt bist. Tipps, wie Du das kostbare Raufutter effektiv an den Mann bzw. ans Pferd bringst, bekommst Du in unserem Blog "Geld wie Heu". Viel Spaß!

Was war das nur für ein Sommer 2018! Seit April kein Regen mehr und immer sonnig. Stellenweise fühlte ich mich an meine Pferdearbeit in Italien und Spanien erinnert: Sand und Staub, und über allem lag der Duft von erhitztem Pferdedung. Wie damals im Süden standen wir Norddeutschen in diesem Jahr immer sehr früh auf, um mit den Pferden zu arbeiten, bevor uns die Hitze zwang, tagsüber lange Siestas in abgedunkelten Räumen oder am Badesee abzuhalten und dann ab 19 Uhr bis zur Dunkelheit wieder zu den Pferden zu gehen. 

Ich habe jeden Tag genossen und wurde sozusagen ein emotionaler Freund des Klimawandels… Vielleicht würde das veränderte Klima der deutschen Schwermut und der landesüblichen Miesepetrigkeit ja ein wenig südländische Lebensart beibringen - es könnte nicht schaden.

Dann kamen die ersten Meldungen: Kein Regen, kein Gras, kein Heu, oh Gott, daran hatte ich nicht gedacht, und wenn ich auf meinen Kursen durch die Republik fuhr, kam mir auch alles wie Panikmache vor: Im Schwarzwald stand das Gras im Juni schließlich satt und hoch wie eh und je.

Als ich mich dann endlich daran machte, mal zu überprüfen, wie es denn nun um die Winterversorgung meiner Pferde bestellt sein würde, bestätigten sich die Gerüchte leider: Es ist viel weniger Gras gewachsen als in den Jahren davor. Und da die meisten Produzenten ihre Preise nach dem kapitalistischen Prinzip von Angebot und Nachfrage gestalten, war plötzlich von Rundballen die Rede, die statt wie bisher um die 30 € jetzt über 100 € (!) kosten und mit LKWs und Zügen aus Polen oder den Niederlanden herangekarrt werden sollten.

Unser langjähriger Heulieferant sagte mir: Ich mach das Heu nicht teurer, ich will ja, dass ihr auch im nächsten Jahr wieder kauft, aber ich hab halt einfach nicht so viel wie ihr braucht.

Dann ging das Rumtelefonieren und die Internetsuche los, und mit Glück fand sich ein alter Kumpel, der jetzt im Heugeschäft ist und der unseren Bedarf für den Winter sicherte.

So weit so gut, aber trotzdem hatten sich unsere Heukosten verdoppelt und so wurde an der einzigen Schraube gedreht, die uns einfiel: Sparsamer wollten und sollten wir sein! Wir wollten natürlich nicht weniger füttern - wir wollten das Heu lediglich so verfüttern, dass es folgenden Kriterien genügt:

  1. Jeder Halm, den wir teuer bezahlt hatten, sollte auch im Pferdemagen landen. Die Pferde sollten nicht darauf rumliegen oder es als Toilette benutzen.
  2. Die Fütterung sollte an ganz verschiedenen Stellen erfolgen, sodass die Pferdeäpfel auf der kompletten Weide verteilt und die Pferde dazu ermuntert würden, sich beim Gang zwischen frostfreier Tränke und Heustelle selbst zu trainieren und in Bewegung zu halten.
  3. Die ganze Problematik sollte uns nicht mehr Arbeit machen als vorher. Im folgenden Video haben wir die Entwicklung dokumentiert.

Unsere bisherige Methode (Bild 1 und 2) findest Du im ersten Abschnitt des Videos. Die Heuglocke ist unbefriedigend, da immer noch zu viel Heu verschwendet wird. Der Versuch, dies mit Heunetzen zu verhindern, scheiterte, und vier Öffnungen sind einfach zu wenig für so viele Pferde.

Im zweiten Abschnitt findest Du die günstigere Variante: Heunetze mit rundem oder quadratischem Rahmen. Eine Zeit lang haben wir es so gemacht: Wir haben die Ballen auf die Erde gelegt und das Netz mit dem Rahmen drüber gestülpt: Vorsicht: Das ist nur zu empfehlen, wenn Du keine 10 cm großen Maschen benutzt. Bei der Maschenweite können sich nämlich kleine Hufe oder Hufeisen verfangen und Verletzungen hervorrufen. Deswegen sind sie auf dem Wagen sicherer und außerdem leichter zu transportieren. (Bild 3-7)

Im letzten Abschnitt des Films kannst Du Dir unseren nächsten Versuch anschauen. Analog zur kleinen Bodenheuraufe (Bild 8) bauen wir die große Raufe mit beweglichem Deckel, die auf einem niedrigen Wagen fixiert ist, auf Wunsch auch mit Dach. Platz bietet sie für drei Rundballen, das heißt: Ich verbringe den Winter nicht Heu fütternd auf der Weide, sondern stattdessen im gemütlichen Lehnsessel während meine Pferde für 5-6 Tage versorgt sind.

Tolle Aussichten.

Infos, wo Du die Materialien bestellen kannst, die wir benutzen, bekommst Du bei mir auf Wunsch mitgeteilt.

Sicherlich sind wir nicht die einzigen, die sich über dieses Problem Gedanken gemacht und kreative Lösungen gefunden haben. Teile uns gerne Deine Erfahrungen mit! Wir freuen uns über Videos, Fotos und Beschreibungen. Auch auf Youtube nach dem Thema zu suchen und zu schauen, lohnt sich!

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