Eklig oder eglig - Therapie mit Blutegeln

Ein bisschen eklig ist das ja schon, aber letztlich gilt: Wer heilt hat Recht! Und Michaela, unsere Tierheilpraktikerin, hat schon so viel geheilt, dass wir ihren Vorschlag gerne umgesetzt haben, Canarios Gallen zu behandeln. Er hatte in der Ausbildungsarbeit angefangen zu lahmen. Nach einmaliger Blutegelbehandlung ist diese Lahmheit nicht mehr aufgetreten: Zufall oder Methode?

Mehr zum Thema findet Ihr in ihrer Übersicht der Behandlungsmethode und in ihren beiden angefügten Fallbeispielen.

Uwe Weinzierl

Der medizinische Blutegel

Es gibt etwa 300 bekannte Arten von Blutegeln auf der Welt. Erste Erfahrungen in der Therapie mit Blutegeln sind  bereits aus dem 5. Jahrhundert  vor Christi bekannt.

In Deutschland hielt die Behandlung im 18. Jahrhundert Einzug und nahm Mitte des 19. Jahrhunderts wieder ab, die Methode galt als nicht mehr zeitgemäß. In der heutigen Zeit werden ca. 300.000 bis 400.000 Egel an Mensch und Tier angesetzt.

Die Wirkstoffe eines Egels:

  • Aeromonas hydrophila – ein Darmsymbiont, der bakterizid (antibiotisch) und analgetisch (schmerzlindernd) wirkt
  • Antistasin – wirkt gerinnungshemmend und gegen Metastasen
  • Calin – wirkt gerinnungshemmend
  • Eglin – wirkt antientzündlich und gerinnungshemmend
  • Hirudin – wirkt gerinnungshemmend und hält die Wunde offen
  • Hyaluronidase – wirkt gefäßerweiternd und lymphstrombeschleunigend

Egel sind wunderbare Helfer in der Tiermedizin! Im ausgewachsenen Alter von 2 - 3 Jahren werden sie  als „Therapeuten“ angesetzt. Mit ihren scharfen Kalkzähnen raspeln sie sich durch die Haut des Patienten und fangen an, Speichel zu produzieren und Enzyme in die Wunde einzuschleusen. Die Behandlung beginnt.

Bewährte Einsatzgebiete in der Praxis

Arthritis/ Arthrose, Hufrollenerkrankung (akut und chronisch), Spat, Schale, Hufrehe, Tendinitis, Bursitis, schlecht heilende Wunden, Genickbeulen, Gallen, Hämatome, Satteldruck…

Unterstützt werden kann die Therapie sehr gut mit homöopathischen oder pflanzlichen Präparaten, die das Immunsystem unterstützen und beim Abtransport der Entzündungsstoffe aus dem Körper behilflich sind. 

Fallbeispiele der Blutegeltherapie

„Hella“, Finn-Stute, 12 Jahre

Seit 2 Jahren rezidivierende Hufgelenksentzündungen mit mehr oder weniger starker Lahmheit bei Belastung. Die Stute wird im Gelände geritten, leichte Bahnarbeit, kein Springpferd. Boxenhaltung mit Paddock und im Sommer Weidegang.

Jetzt schulmedizinisch austherapiert, ein Nervenschnitt in der Klinik wurde angeraten. Die Besitzerin bat mich, einen letzten Versuch mit der Blutegeltherapie vorzunehmen. Der Termin war im Februar, wir hatten Frosttemperaturen und die Blutegel waren alles andere als „beißwütig“. Trotzdem haben wir es geschafft, mit Hilfe einer Rotlichtlampe und warmem Wasser die Tiere an den vorher kinesiologisch ausgetesteten Stellen anzusetzen. Wenn die Egel erst einmal gebissen haben, dann muss man sie evtl. dazu animieren zu saugen. Dieses haben wir mit ständigem Beträufeln von Wasser geschafft.  Insgesamt wurden bei der ersten Sitzung 4 Egel angesetzt. Gleichzeitig haben wir noch die homöopathischen Mittel Arnica, Ginkgo biloba und Symphytum eingesetzt, sowie  ein durchblutungsförderndes Mittel.

Die Stellen bluteten ca. 8 Stunden nach, der Verschluß der Wunden war unauffällig. Nach 3 Tagen brachen die Bissstellen wieder auf und es entleerte sich eine seröse, lymphatische Flüssigkeit. Die lange bestandenen entzündlichen Prozesse des Hufes und des Beines waren in ein akutes Stadium versetzt worden, der Heilprozess  setzte nun von neuem ein. Es wurde ein „natürliches“ Penicillin verabreicht, um diesen gewünschten Effekt nicht wieder zu unterdrücken. Nach 1 Woche wurden erneut 4 Egel angesetzt. Die Stute ging nach 3 Wochen lahmfrei, läuft heute mit einem Spezialbeschlag und wird noch leicht, aber schmerzfrei als Freizeitpferd geritten. Sie ist in einen Offenstall umgezogen, da somit eine stetige Bewegung erfolgen kann, welche die Hufdurchblutung verbessert.

Die Besitzerin behandelt derzeit ausschließlich mit pflanzlichen, durchblutungsfördernden Arzneimitteln nach und achtet auf einen funktionierenden Stoffwechsel, damit anfallende Schlacken- und Entzündungsstoffe sofort abtransportiert werden können.

„Paul“, Shetland Wallach, 7 Jahre

Paul hatte nach einer nicht richtig gesetzten Injektion auf der gesamten rechten Halsseite ein Hämatom, welches eine Steifheit des Halses hervorrief. Er fraß schlecht, war unmotiviert und zickig.

Nach Rasieren einer Fläche von ca. 10 cm Durchmesser konnten wir 4 Blutegel platzieren. Nachdem die Egel 20 Minuten gesaugt hatten, war die Stelle deutlich weicher und auch während der Behandlung stand Paul entspannt und schnaubte ab. Die Wunden bluteten 6 Stunden nach und am nächsten Tag bereits war Paul aufgeweckter und hatte wieder mehr Appetit. Auch hier wurde ein durchblutungsförderndes Mittel eingesetzt und Homöopathie zum Abbau des Hämatoms.

Aufgrund der großen Fläche der Schwellung haben wir die Behandlung noch 2 x wiederholt. Nach 3 Wochen konnte der Hals von ihm wieder normal zu beiden Seiten bewegt werden, seine Unzufriedenheit hat sich bereits nach 3 Tagen gebessert. Als „Nebeneffekt“ konnte eine chronisch bestehende Kiefergelenksentzündung geheilt werden.

Michaela Wegner

www.tierheilkunde-sh.de

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