Sicher ist sicher – Der Nothaken oder Safety-Clip

Als Nothaken wurde in meiner Schwarzwälder Heimat eine Person bezeichnet, die als Ersatz für das, was man eigentlich wollte, herhalten musste – wenn man zum Beispiel den, den man eigentlich wollte, nicht kriegen konnte. Oftmals stellte sich dann heraus, dass der Spatz in der Hand tatsächlich besser war, als die unerreichbare Taube auf dem Dach.

 

Die verführerische Taube ist in unserem Fall das so genannte „Ground Tying“. Denn das Fluchttier Pferd festzubinden ist ja nichts anderes, als einen Fisch aufs Trockene zu legen und dann zu erwarten, dass er sich wohlfühlt. Es liegt in der Natur des Pferdes, Engpässe zu meiden, argwöhnisch die Umgebung im Blick zu behalten, auf Bewegung und Geräusche fluchtbereit zu reagieren. Am Kopf angebunden zu sein ist für den Vierbeiner, wie wenn uns einer die Schlinge um den Hals legt: Jeden Moment kann es vorbei sein…

Erstaunlich ist daher nicht, dass es beim Anbinden regelmäßig zu schweren Unfällen kommt. Erstaunlich ist vielmehr, dass es trotzdem in 95 Prozent der Fälle gut geht, dass die meisten Pferde gute Miene zum bösen Spiel machen und, statt auszurasten, sich in ihr Schicksal fügen (das eines der wenigen Dinge, die sie mit den Menschen gemeinsam haben).

 

Nun ja, es kann jahrelang gutgehen und irgendwann kommt doch der überraschende Panikreiz um die Ecke, und dann ist es leider zu spät, um über Alternativen nachzudenken.

“Groundtying” ist daher für mich die beste Antwort auf die – hoffentlich rechtzeitig gestellte – Frage: “Wie soll ich mein Pferd abstellen beziehungsweise anbinden?”:

 

Man trainiert sein Pferd darauf, sich nicht von der Stelle zu bewegen, wenn der Zügel oder das Arbeitsseil vor ihm auf dem Boden liegen. Nach und nach wird der Abstand zum Pferd vergrößert und die Dauer des vermeintlichen „Angebundenseins“ erhöht, bis man zum Bäcker reiten, sein Pferd davor parken und in aller Ruhe Brot und Kuchen kaufen kann. Wenn es funktioniert ist es eine wunderbare Sache, aber dazu musst Du konsequent und häufig üben und meistens ist es so wie mit der Rückengymnastik: Man weiß, dass es verdammt gut täte und auch echt helfen würde, aber der innere Schweinehund ist stärker. Und dann bindet man sein Pferd wieder an und hofft, dass alles gutgeht.

Zwischen dem anstrengenden Ideal und dem faulen Kompromiss gibt es jetzt eine pragmatische Alternative, die ich wärmstens empfehlen kann:

 

Der Not- oder Sicherheitshaken (englisch: Safety-Clip) kann, was Menschen und allen anderen Festhaltern so schwer fällt: loslassen und nachgeben. 

 

Der Trick:

Das angebundene Pferd erschrickt, zieht voller Panik am Strick – und der Strick gibt nach! Dabei muss das Pferd jedoch ein wenig Kraft aufbringen, um den Strick beim Pullback-Reflex durch den Sicherheitshaken zu ziehen und es hört deswegen schnell auf, rückwärts zu gehen. Die Panik verfliegt rasch, da es ja nicht festgebunden ist, sondern in der Bewegung – je nach Einstellung am Haken – sanft gebremst wird. Kein Druck – keine Panik. Du wirst staunen, wie schnell Dein Pferd ruhig und gelassen am Anbindeplatz steht! Ein Muss auch für jeden Wanderritt.

 

So geht’s:

Der Sicherheitshaken wird einfach in die jeweilige Anbindevorrichtung eingehangen. Anschließend ziehst Du das Führseil (Polyester oder Polypropylen, 13-15 mm Durchmesser) als Schlaufe durch die Öse des Sicherheitshakens. Nun gibt es drei Varianten der Einstellung:

Das Seil ist leicht durchzuziehen, um die gewünschte Länge einzustellen.

Die Standardposition. Das Seil ist schwerer durchzuziehen; durch eine Schraube ist die Einstellung zu variieren.

Das Seil ist fest positioniert und daher nicht zum Anbinden Deines Pferdes geeignet, sondern zum Beispiel zum Aufhängen eines Heunetzes oder Wassereimers.

 

Es ist wirklich verblüffend zu sehen, wie schnell die Pferde die neuen Anbinde-Bedingungen verstehen und akzeptieren – schau selbst:

Im Video ist zu sehen, was passiert, wenn ein Pferd mit aller Kraft einer unerträglichen Situation entfliehen will. Da der Druck auf den Kopf des Pferdes durch den Sicherheitshaken regulierbar ist, wird der Pullback-Reflex schrittweise gemindert. Trotzdem gilt natürlich: Lass Dein Pferd nie unbeaufsichtigt!

 

Du siehst also, der ‚Spatz in der Hand‘ erspart Dir den langen Weg zum perfekten „Ground Tying“. Aber das Leben wäre doch langweilig, wenn man immer mit dem zufrieden ist – und bleibt, was man hat…

 

Uwe Weinzierl

 

Der Nothaken ist in unserem Shop erhältlich. Wenn Du diesen bis Ende Februar bestellst, erhältst Du dafür 5€ Rabatt (Code: NOTHAKEN).

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